Was Sie schon immer über Franchise wissen wollten

Franchise, wer kennt den Begriff nicht, ist er doch fest mit amerikanischen Fast-Food-Ketten verbunden und es ist richtig, dass durch Franchise-Systeme wie Mc Donalds oder Burger King diese Art von Vertriebsmodell auch in Deutschland bekannt geworden ist. Da Sie sich aktuell mit dem Thema Unternehmens- bzw. Existenzgründung beschäftigen, stoßen Sie automatisch auf diesen Begriff und vielleicht ist Franchise ja auch für Sie die Alternative zur eigenen Geschäftsidee. 

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen einen Einblick in das Thema Franchise geben und Sie gleichzeitig für Franchise begeistern, denn Franchise ist viel besser als sein Ruf, denn was ist schöner als im Kreise Gleichgesinnter sich selbständig zu  machen, sich gegenseitig zu motivieren und Erfolge gemeinsam zu feiern. Ich möchte Ihnen zeigen was hinter dem Begriff Franchise steckt, welche Vorteile Franchise Ihnen bietet und worauf Sie als Franchise-Interessent bei Ihrer Entscheidung achten sollten. Diese und viele weitere Punkte werden in diesem Artikel behandelt. Im Anschluss an diesen Artikel können Sie sich noch eine Checkliste herunterladen mit der Sie das richtige Franchise-System für sich finden.

Franchise – die „erprobte“ Alternative zur eigenen Geschäftsidee?

Sich selbständig zu machen ist der Traum vieler, aber nur die wenigsten trauen sich diesen Karriereweg einzuschlagen, ist doch die Selbständigkeit in Deutschland allgemein lautend mit vielen Risiken, mit viel Arbeit und hohen Investitionen verbunden. Trotz dieser Vorurteile schlagen aber glücklicherweise immer noch viele diesen Weg aus den verschiedensten Gründen ein und das liegt nur in den wenigsten Fällen an dem Wunsch mehr zu verdienen. Gerade bei denen, die bereits ein paar Jahre als Angestellte gearbeitet haben, hört man ganz andere Argumente: Ärger mit dem Chef oder Vorgesetzten, dem Wunsch nach höherer Zufriedenheit, oder was Eigenes zu machen. Leider versiegt diese Motivation bei vielen, wenn es darum geht eine Geschäftsidee zu entwickeln, und da kommt Franchise in Spiel. Franchise ist die Alternative zur eigenen Geschäftsidee, denn hier besteht der Vorteil darin, dass die Geschäftsidee bereits durchdacht wurde und in den meisten Fällen auch schon – hoffentlich erfolgreich - getestet wurde. Dieses Geschäftsmodell inkl. einem fertigen Marketingauftritt und mit einem mehr oder minder großem Bekanntheitsgrad erwerben Sie als Franchise-Nehmer vom Ihrem Franchise-Geber und damit bauen Sie nach den Vorgaben und Erfahrungen Ihr eigenes Unternehmen an einem anderen Standort oder in einem anderen Gebiet auf.
Franchise oder Franchising bedeutet damit so viel wie eine Lizenzvergabe oder Vergabe von Nutzungsrechten. Franchise ist damit auch eine Art Werkzeugkasten und was Sie daraus machen liegt alleine bei Ihnen selbst.

Die Wurzeln des Franchise liegen in Frankreich

Das Wort „Franchise“ ist französisch und bedeutet übersetzt die Befreiung von Abgaben beziehungsweise Gebühren. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde unter dem Begriff  in Frankreich und Großbritannien die Gewährung eines Privilegs verstanden, bei dem besondere Persönlichkeiten das Recht erhielten, gegen Entgelt die Produktion oder den Handel mit bestimmten Erzeugnissen zu betreiben.

Im Franchise gibt es eine klare Aufgabenteilung 

In der Zusammenarbeit zwischen Franchise-Nehmer und Franchise-Geber gibt es eine  klare Aufgabenteilung und das macht Franchise so erfolgreich. Der Franchise-Geber oder auch Franchise-Zentrale bezeichnet, übernimmt in der Zusammenarbeit zentrale Aufgaben, die für alle Franchise-Nehmer wichtig sind und die für eine Arbeitserleichterung der einzelnen Franchise-Nehmer sorgen. Damit ist die Zentrale in vielen Fällen eine ausgelagerte Fachabteilung oder Auftragnehmer. Als Franchise-Nehmer können Sie sich so auf Ihre Kernaufgabe konzentrieren, die Entwicklung Ihres Unternehmens und den Erfolg Ihres Geschäfts. Damit das funktioniert wir diese Aufgabenteilung im Franchise-Vertrag bzw. im Franchise-Handbuch klar definiert sein.

 

Vorteile und Nachteile bei der Gründung als Franchise-Nehmer

Insgesamt kann man sagen, dass eine Gründung als Franchise-Nehmer viele Vorteile, sowohl für die Franchise-Nehmer aber auch für den Franchise-Geber beinhalten. Natürlich gibt dort wo es Licht gibt auch Schatten aber insgesamt kann man pauschal sagen, wenn es sich um ein gut aufgebautes Franchise-System handelt überwiegen die Vorteile.

Vorteile und Stärken eines Franchise-Systems

Ab dem ersten Augenblick, in dem Sie sich für die Zusammenarbeit mit einem Franchise-System entscheiden – und das ist weit vor der Vertragsunterzeichnung – hat man einen kompetenten Ansprechpartner, der Ihnen wertvolle Tipps gibt und oftmals sogar einen Fahrplan in dem alle wichtigen To-Dos beschrieben sind. Als Franchise-Nehmer profitieren Sie von dem bestehenden Know-How und den Erfahrungen des Franchise-Gebers aber auch der anderen Franchise-Nehmer. Das bedeutet, dass das Gründungsrisiko für Sie wesentlich geringer ist als würden Sie alleine Ihre Geschäftsidee umsetzen. Eine Studie des Deutschen Franchise Verbandes belegt, dass Franchise-Gründungen signifikant erfolgreicher sind als klassische Existenzgründungen. Die Studie zeigt, dass nach drei Jahren noch durchschnittlich 83 Prozent der Franchise-Unternehmer aktiv sind, aber nur 68 Prozent der übrigen Selbstständigen.

  • Sie erhalten ein „schlüsselfertiges Geschäftskonzept“ 
  • Time to Market – Sie können sofort durchstarten und müssen sich nicht erst um administrative Aufgaben kümmern
  • Sie arbeiten in einer Gruppe mit anderen Franchise-Partnern und sich mit diesen ständig austauschen
  • Sie erhalten Unterstützung bei der Beschaffung der Franchise-Finanzierung
  • Sie bauen Ihr Geschäft auf der Bekanntheit des Systems auf
  • Sie müssen nicht alles selber entwickeln sondern nutzen erprobte Abläufe
  • Sie nutzen Einkaufsvorteile durch Mengenvorteile
  • Sie können die Franchisezentrale um Rat fragen und erhalten Unterstützung im Tagesgeschäft
  • Sie sind ein attraktiverer Arbeitgeber als eine One-Man-Show und haben einen leichteren Zugang zu neuen Mitarbeitern
  • Sie können Ihr Risiko durch bestehende Franchise-Betriebe besser abschätzen
  • Sie nutzen ein erprobtes Marken- oder Dienstleistungssortiment
  • Sie erweitern Ihr Fachwissen durch regelmäßige Partner-Schulungen und Erfahrungsberichten
  • Sie nutzen ein Image eines Großunternehmens mit einem geschützten Namen
  • Sie haben geringe Fixkosten durch Kostenverteilung
  • Sie verfügen über eine größere Kreditwürdigkeit und erhalten damit leichteren Zugang zu Krediten
  • Sie können Ihr Tun mit anderen Partnern messen und damit gegebenenfalls Missstände analysieren
  • Die anfänglichen Investitionen sind wesentlich geringer um einen vergleichbaren Status zu erreichen

Nachteile und Schwächen in einem Franchise-System

Gegenüber den Vorteilen sind es nur wenige Punkte die man als Nachteile aufzählen kann. Sie sind allerdings umso gewichtiger für Ihre Entscheidungsgrundlage. Für den einen oder anderen Unternehmertypen ist das größte Problem die fehlende Freiheit. Als Franchise-Nehmer muss es Ihnen bewusst sein, dass Sie auch mal mit unpopulären Entscheidungen leben und eine Geschäftspolitik vertreten müssen, mit der Sie eigentlich nicht einverstanden sind. Ein Franchise-System legt die unternehmerische "Marschroute" sehr genau fest. Das heißt, der Weg in die berufliche Selbständigkeit ist stärker vorgegeben und weniger beeinflussbar. Das mag manchem Existenzgründer zu wenig sein. In manchen Systemen hat aber auch der Franchise-Nehmer über den selbstbestimmen Beirat ein Mitsprache- und Entscheidungsrecht. Fragen Sie bei Ihren ersten Gesprächen danach, wie das geregelt ist.

  • Der unternehmerische Gestaltungsspielraum ist eingeschränkter
  • Es ist schwierig, aus der Vielzahl an unterschiedlichen Franchise-Systemen das für sich persönlich passendes System auszuwählen
  • Sie binden sich sehr langfristig an das Franchise-System und dem damit verbundenen Geschäftsmodell. Ein schneller Austritt aus dem Vertrag ist meist nicht möglich
  • Je nach System werden mitunter sehr hohe Franchise-Gebühren fällig. Sie fallen über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg an.

Franchise-Gebühr

Für die Aufnahme und für die laufenden Leistungen der Franchise-Zentrale zahlen Sie als Franchise-Nehmer unterschiedliche Gebühren. Das sind in der Regel Einstiegs- und laufende Gebühren. Hier sollten Sie sich die erste Frage stellen, was Sie selbst investieren müssten, wenn Sie all die Dinge in gleicher Qualität selbst entwickeln müssten bzw. was würde es Kosten, wenn Sie die laufenden Leistungen selbst oder durch Mitarbeiter erbringen müssten? Denken Sie allein mal daran, was  es kostet eine Internetseite aufzubauen, ein Logo entwickeln zu lassen oder was Mitarbeiter kosten würden.

Einstiegsgebühren sind Gebühren, die Sie für die Aufnahme ins System zahlen. Darunter fallen Gebühren wie die Franchiselizenz-Gebühr oder die Schulungsgebühren. Laufende Gebühren sind die monatlichen Franchise-Gebühren oder Marketing-Gebühr. 

Die Gebühren sind von System zu System unterschiedlich und spiegel allgemein die laufenden Leistungen bzw. die Grundleistungen wider. Bei den meisten Systemen ist die Höhe der Gebühren an den Umsätzen gekoppelt.

Passt das Franchise-System zu mir?

Wichtig für Ihre Entscheidung ist die Frage, ob Sie zu dem System passen oder das System zu Ihnen. Junge Systeme, sind noch nicht in allen Details durchorganisiert und weisen in verschiedenen Punkten noch Lücken auf. Diese Systeme suchen in der Regel „Pioniere“ die bereit sind mit anzupacken und Sie als Partner haben wesentlich mehr Möglichkeiten das System stärker. Ältere Systeme sind dagegen in allen Dingen durchorganisiert. Hier haben Sie als Partner zwar wesentlich weniger Einlussmöglichkeiten, aber alle relevanten Punkte wurden bereits im Detail durchdacht.

Drum prüfe wer sich ewig bindet

Franchise-Nehmer zu werden muss gut überlegt sein, darum ist es wichtig die Entscheidung gut zu überlegen und das System im Detail zu prüfen. Zunächst sollten Sie bei der Prüfung des Systems die Frage stellen wie alt und wie erfahren das Franchisesystem ist? Franchise-System ist hier nicht gleich Franchise-System und die beste Franchise-Story, das innovativste Produkt oder ein vielversprechender Markt sind noch keinen Erfolgsgaranten. Hat das System die ersten schwierigen Jahre hinter sich gebracht, umfangreich Erfahrungen mit dem Musterbetrieb und mit den ersten Franchise-Nehmern gesammelt und daraus Schlüsse gezogen?

Der Deutschen Franchise Verband – Qualitätsmerkmal für Franchise-Systeme

Ein Qualitätsmerkmal für eine Franchise-System ist die Vollmitgliedschaft beim Deutschen Franchise-Verband, e. V. (DFV). Der DFV ist der Spitzenverband der deutschen Franchise-Wirtschaft, er wurde 1978 gegründet und vertritt die Interessen von Franchise-Geber und Franchise-Nehmer gleichermaßen. Von den derzeit circa 1.000 Franchise-Systemen sind ca. 280 Systeme Mitglieder beim Deutschen Franchise Verband und davon wiederum 180 Vollmitglieder. Vollmitglieder haben einen freiwilligen  System-Check durchlaufen beim dem das System in allen Details von einem unabhängigen Prüfer geprüft wird. Der System-Check beinhaltet neben der Prüfung des Franchise-Vertrages und des Franchise-Handbuches, die Prüfung des Systemkonzepts, der Produkte und Leistungen, die Strategie und das Management und abschließend eine repräsentative Befragung der Franchise-Nehmer-Zufriedenheit.
Natürlich ist die Vollmitgliedschaft keine Erfolgsgarantie, dennoch liefert sie wichtige Anhaltspunkte und geprüfte Systeme haben auch einen besseren Ruf bei den Banken. Systeme, die nicht Mitglied beim Verband sind sollte man genauer prüfen. Stellen Sie diese Frage bei Ihren ersten Gesprächen. Weicht man der Frage aus, gibt es Gründe dafür. Dann besser die Finger weg. 

Bestehende Franchise-Nehmer interviewen

Lassen Sie sich Kontakte von zwei bis drei bestehenden Franchise-Nehmern geben und rufen Sie Ihre künftigen Kollegen an. Wie ist die Stimmung im System, wie die Verbindung zur Franchise-Zentrale oder zu den anderen Franchise-Partnern, wie erfolgreich ist der Franchise-Nehmer und wie ist die Zusammenarbeit mit der Zentrale. In diesen Gesprächen erfahren Sie am meisten. 

Punkte die Sie prüfen sollten:

  • Wie lange gibt es das System schon?
  • Wie viele Partner hat das System und wie hoch ist die Fluktuation?
  • Wie ist die Einarbeitung bzw. Ausbildung organisiert?
  • Wer sind Ihre Ansprechpartner im Tagesgeschäft?
  • Wird Ihnen der Franchise-Vertrag vorab zur Prüfung übermittel?
  • Gibt es ein Franchise-Handbuch und dürfen Sie in den Gesprächen auch das Handbuch einsehen?
  • Gibt es einen Franchise-Beirat und welche Funktionen hat dieses Organ?
  • Welche Unterstützung erhalten Sie in der Vorvertragsphase von der Zentrale?

Fazit

Franchise bietet eine hervorragende Möglichkeit ein eigenes Unternehmen aufzubauen und erfolgreich zu betreiben. Je offener und selbstkritischer ein Franchise-Geber ist, desto besser. Auch ein Franchise-System durchläuft als Unternehmen schwierige Zeiten und es ist normal, dass in den ersten Jahren viele Korrekturen vorgenommen werden müssen und auch der eine oder andere Franchise-Nehmer das Handtuch wirft, das ist normal. Wichtig ist aber, wie der Franchise-Geber mit solchen Situationen umgeht und wie er die Partner in den Verbesserungsprozess einbindet. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass die Selbständigkeit mit einem seriösen Franchise-System schneller zum Erfolg führt als die Selbständigkeit als Einzelkämpfer. Dennoch sollte man die Entscheidung gut überlegen und die Vor- und Nachteile für sich persönlich abwägen? Denn ist der Vertrag erst einmal unterschrieben, wird es schwierig, diesen wieder aufzukündigen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Projekt „Selbständigkeit“ und hoffe, dass mein Artikel Ihnen weiterhelfe konnte. Besonders würde ich mich über Kommentare freuen oder wenn Sie den Artikel weiterempfehlen. 

Hier können Sie nun das Whitepaper „10 wertvolle Tipps wie Sie das richtigen Franchise-System für sich finden“ kostenfrei Herunterladen.