Gründungsfinanzierung - Unternehmensgründung richtig finanzieren

Neben der Entscheidung für die richtige Geschäftsidee ist die Gründungsfinanzierung ein entscheidender Baustein für den langfristigen Geschäftserfolg. Finanzierungsfehler oder Unterfinanzierungen gehören zu den häufigsten Ursachen für das Scheitern einer Unternehmensgründung - auch bei Franchise-Gründern. 73 Prozent aller Gründer müssen ihre Unternehmensgründung finanzieren aber nur jeder Zehnte erhält eine Finanzierungszusage von seiner Bank.

Öffentliche Förderprogramme müssen in der Regel über eine Bank beantragt werden und die muss von Ihnen überzeugt werden, selbst wenn es die eigene Hausbank ist. Franchisegründer haben zwar hier allgemein einen Vorteil gegenüber Einzelgründern, da einer Gründung als Franchisenehmer insgesamt mehr Erfolgsaussichten unterstellt wird und das System eventuell bei der Bank sogar bekannt ist. Dennoch müssen auch Franchisegründer diese Hürde nehmen, wenn auch langfristig der unternehmerische Entscheidungsfaktor gewahrt bleiben soll. „Finance follows strategy” und nicht „Strategy follows finance”.

Wie plant man eine Gründungsfinanzierung richtig, welche Fördermöglichkeiten gibt es und wie überzeugt man seine Bank? Diese Fragen beschäftigen jeden Unternehmensgründer und jeder Gründer ist hier gut beraten einen Experten an seine Seite zu holen. Ich habe ein Gespräch mit dem Finanzierungsberater Herrn Thomas Hawich geführt. Der Diplom-Volkswirt und Strategieberater hat sich auf die Finanzierung von Franchisegründern spezialisiert und ist Seniorberater bei der finanziat GmbH aus Köln. Durchschnittlich 70 Gründungsfinanzierungen und bis zu 150 Erstberatungen führt der Experte pro Jahr durch, mit einer Erfolgsquote von 97 Prozent.

Mit diesem Interview möchte ich Ihnen einen Einblick in die Finanzierungsmöglichkeiten geben. Die Fragen und Antworten gelten sowohl für die Finanzierung von Franchise- oder Einzelgründern. Wenn Sie Fragen an den Finanzierungsexperten Thomas Hawich haben, können Sie mir gerne eine Mail an franchise(at)enerix.de senden oder nutzen Sie das Kommentarfeld am Ende des Artikels. 

Viel Erfolg, Peter Knuth

Was ist die Grundlage einer erfolgreichen Unternehmung?

Thomas Hawich: Egal, wie gut das Franchisesystem oder die Geschäftsidee ist, ohne Kapital lässt sich kein eigenes Unternehmen auf die Beine stellen. Inzwischen gibt es für Gründer einen bunten Strauß aus unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten, die auch Franchisegründer in nahezu allen Fällen nutzen können. Nicht jede passt allerdings zu jedem Konzept und so müssen die Chancen und Risiken jeder Finanzierung berücksichtigt werden. Eine mangelnde Finanzplanung zählt noch immer zu den häufigsten Gründen für eine gescheiterte Gründung.




Als Grundlage für die Kapitalbeschaffung dient der Businessplan. Wozu braucht ein Gründer diesen Plan genau?

Thomas Hawich: Der Businessplan dient dem Gründer als Entscheidungsgrundlage und Leitfaden für seine Existenzgründung. Dieser dient in der Vorgründung als Instrument zur Überprüfung des Vorhabens an sich und der Vorbereitung auf das Vorhaben, mit Beginn gibt er die Richtung vor und lässt erkennen, wann man von seinen Planwerten abweicht. Dies ist die Voraussetzung dafür, die Entwicklung des Geschäfts stetig am Plan abzugleichen und möglichen Fehlentwicklungen gegenzusteuern. Franchisegründer können hier auf die Zahlen anderer Franchisebetriebe zurückgreifen oder erhalten Erfahrungswerte von der Franchisezentrale.

Die Ausarbeitung eines individuellen Businessplans zwingt den Gründer dazu, die einzelnen Punkte seiner Existenzgründung realistisch zu überdenken und exakt zu planen. Auch wenn die meisten Gründer dies jederzeit selbst umsetzen können, sind der Rat und die Begleitung eines Dritten in dieser Phase förderlich. Häufig werden so Schwachpunkte in der Planung entdeckt aber auch „Finger in Wunden gelegt” an die man alleine nicht denkt. Realistische Zahlen in einem Businessplan liefern außerdem eine Vorschau darauf, ob und wie erfolgreich das eigene Unternehmung sein wird. Benötigt man für seine Existenzgründung Fremdkapital, überzeugt man mit damit seine Kapitalgeber.

Wie sollte ein Businessplan aussehen?

Thomas Hawich: Bei der Erstellung des Businessplans ist es ratsam, aus der Sicht des Adressaten zu denken und zu handeln. Im Rahmen der Finanzierung ist der Empfänger in erster Linie ein Kreditgeber. Hierbei ist zu beachten, dass der Businessplan in sich schlüssig formuliert ist und wenig Erläuterungsbedarf hervorruft. Dieser soll die Geschäftsidee klar darstellen, die finanzielle Planung erläutern, die erforderlichen Maßnahmen aufzeigen und vor allem die handelnde Person.

Von der Struktur her sollte dieser klar aufgebaut sein, inhaltlich verständlich für Dritte sein und Chancen und mögliche Risiken darstellen. Neben den Textteil die das Vorhaben, die Maßnahmen und den Gründer beschreiben ist vor allem die Finanzplanung entscheidend. Diese bildet das Herzstück des Businessplans und sollte passend auf den Gründer, den Standort und die eigene Umsetzung des Vorhabens abgestimmt sein. Diese steht nicht für sich sondern belegt in Zahlen die Vorstellungen des angehenden Unternehmers.

Welche Förderungen gibt es für Gründer?

Thomas Hawich: Es gibt über 1.200 Förderprogramme in Deutschland, Bundes-, Landes- und regionale Programme. Diese beinhalten unter anderem Maßnahmen für Coachings und Beratung, Mittelzuschüsse, Zinsvergünstigungen oder Haftungsfreistellungen. Je nachdem in welcher Phase ein (angehender) Unternehmer steht gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. 

Die Höhe und Rahmenbedingungen der jeweiligen Förderungen sind meistens an Auflagen, an das Bundesland, an die Branchen, Zeitpunkt, oder Volumen gebunden. Das macht die Sache für den Gründer nicht unbedingt leichter. Welche Förderungen man als Franchise-Gründer erhält, erfährt man bei seinem Existenz- und Fördermittelberater.

Was sind Förderungen für den Vorgründungsbereich?

Thomas Hawich: Das sind Förderungen für Beratungen, Coaching-Maßnahmen oder zur Förderung des unternehmerischen Know-Hows in der Vorgründungsphase. Hierzu zählen auch die Kosten für Existenzgründungs- und Finanzierungsberatungen.

Welche Gründungsmittelfinanzierungen gibt es und wo erhält man diese?

Thomas Hawich: Eigenkapital ist eine wesentliche Grundlage der Finanzierung und sollte – auch wenn dies im Rahmen einer Finanzierung nicht immer eingebracht werden muss – vorhanden sein, um selbst flexibel zu bleiben und gerade zu Beginn mögliche Abweichungen auffangen zu können.

Daneben bleibt die Finanzierung aus Eigen- und Fremdkapital immer noch die wichtigste Quelle für den Start eines Vorhabens. Insbesondere im Gründungsbereich gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Finanzierung über die KfW oder die Landesförderbanken. Die Finanzierungsprogramme die vorhanden sind können jedoch nicht direkt bei diesen Stellen beantragt werden sondern bei der Hausbank vor Ort.

Eines der gängigsten Programme im Gründungsbereich für Vorhaben bis 100.000 EUR ist das ERP-Gründerkredit Startgeld der KfW. Dieses ist zinsgünstig und bietet eine Haftungsfreistellung von 80 Prozent, so dass in der Regel keine Besicherung des Kredites notwendig ist. Aber auch wenn dies ein attraktives Programm ist, sollte man nicht den Fehler machen und sein Vorhaben an das Programm anpassen – auch hier gilt Finance follows strategy.

Bedarf es mehr Mittel, so gibt es weitere Kreditprogramme oder Möglichkeiten wie Beteiligungskapital. Auch diese sind über die Banken vor Ort zu beantragen. Eine Beratung vorab kann Gründern helfen, die passenden Programme bereits vorab zu finden, um entsprechend vorbereitet auf die Bank zugehen zu können.

Fazit

Die Gründungsfinanzierung ist ein wichtiger Baustein für den Geschäftserfolg und jeder Gründer ist gut beraten sich einen Fachmann an seine Seite zu holen um sich in der Vielfalt der Möglichkeiten zurechtzufinden. Erfahrungsgemäß sollte man drei Monate von der Erstellung des Businessplans bis zur Auszahlung des Geldes einplanen. Werden zusätzlich Fördermittel genutzt, beispielsweise über die KfW kann es auch bis zu fünf Monaten dauern. 

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