Gründung im Franchise finanzieren: Worauf es ankommt und was du wissen musst
Die Fördermittellandschaft für Gründer in Deutschland ist attraktiv. Die Programme funktionieren, trotzdem scheitern viele Gründungsfinanzierungen, weil die Hausbank nicht mitzieht. Wir haben mit Finanzierungsexperte Thorsten Beck gesprochen, der erklärt, worauf es bei der Franchise-Finanzierung wirklich ankommt.
Jede Finanzierung ist individuell
„Die Fragen sind immer dieselben“, sagt Thorsten Beck, der seit Jahren Franchise-Gründer durch den Finanzierungsprozess begleitet. „Aber die Antworten sind es nicht.“ Denn ob eine Finanzierung gelingt, hängt von mehreren Puzzleteilen ab, die zusammenpassen müssen.
Puzzleteil 1 – Die Person:
Bist du noch im Angestelltenverhältnis, arbeitslos gemeldet oder warst du bereits selbstständig? Hast du Eigenkapital, eine kaufmännische Ausbildung oder Berufserfahrung im relevanten Bereich? Bist du Quereinsteiger oder kommst du aus der Branche? Welche Versicherungsrückkaufswerte oder Immobilien stehen als Sicherheit zur Verfügung? All das beeinflusst, welche Förderprogramme infrage kommen und wie die Finanzierungsstruktur aussieht.
Puzzleteil 2 – Die Branche und das Franchisesystem:
Wie wird die Solarbranche von Banken aktuell wahrgenommen? Befinden sich Marktteilnehmer in einer Konsolidierungsphase oder ist die Branche seit Jahren profitabel? Ist das Franchisesystem etabliert oder erst wenige Jahre am Markt aktiv? Banken bewerten nicht nur den Antragsteller, sie bewerten auch das Umfeld.
Puzzleteil 3 – Die Außenwelt:
Dazu gehören Kriege, die Energiekrise oder geopolitische Unsicherheit. Was in der Welt passiert, beeinflusst das Sicherheitsbedürfnis der Banken direkt. “Und das ist in der aktuellen Zeit sehr groß“, sagt Beck. „Wer eine Bank überzeugen will, muss erklären können, warum eine Gründung gerade jetzt klug ist.“
Puzzleteil 4 – Die Fördermittelgeber:
KfW, Bürgschaftsbanken, Hausbanken – welche Programme werden angeboten? Eines ist Fakt: Die Bereitschaft, Gründer zu unterstützen, war selten so gut: Seit dem 1. Dezember 2025 vergibt die KfW beispielsweise über den ERP-Gründerkredit StartGeld bis zu 200.000 Euro — vorher waren es nur 125.000 Euro. Auch Bürgschaftsbanken sind gewillt, Gründer zu unterstützen. “Die Fördermittellandschaft ist aktuell ein starker Hebel, um eine solide Gesamtfinanzierung zusammenzustellen”, bestätigt Thorsten Beck.
Wichtig: Geschäftsbanken für sich gewinnen
Deutschland hat gut funktionierende Förderprogramme – über die KfW, Bürgschaftsbanken und Landesförderinstitute. Das Problem: Förderbanken sprechen nicht direkt mit dem Antragsteller. Alle Anträge laufen über die Geschäftsbank (auch genannt: Hausbank). Und die ist aktuell auf Sicherheit gepolt.
„Das Sicherheitsbedürfnis der Banken ist in unsicheren Zeiten besonders hoch“, erklärt Beck. „Wer nicht weiß, wie man eine Geschäftsbank für sich gewinnt, verschenkt die Vorteile der Fördermittellandschaft.“
Die erste und wichtigste Aufgabe ist deshalb: Die richtige Geschäftsbank finden und überzeugen.
Die drei entscheidenden Fragen
Bevor man überhaupt mit einer Bank spricht, sollte man drei Fragen klar beantworten können:
1. Wie hoch ist der Kapitalbedarf?
Der Gesamtkapitalbedarf setzt sich zusammen aus:
- Investitionen (z. B. Franchisegebühr, Büro, Lager, Ausstattung)
- Betriebsmittel vor der Gründung (z. B. Fahrt- und Ausbildungskosten)
- Anlaufkosten bis zum Break-even – inklusive der privaten Kosten des Gründers
„Alles was passiert, bis die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, gehört in die Berechnung“, so Beck. „Und das muss der Businessplan abbilden.“
2. Woher kommt das Geld?
Eigenkapital ist nicht gleich Eigenkapital. Banken definieren Eigenkapital als Geld, das zum Zeitpunkt der Antragstellung auf dem Konto des Antragstellers liegt und das selbst erwirtschaftet wurde. Wer offen kommuniziert, dass das Geld von der Familie stammt, hat kein Eigenkapital in diesem Sinn.
Als Faustregel gilt: Eine Eigenkapitalquote von 15 Prozent gilt unter Experten als solide. Bei Vorhaben unter 200.000 € ist es laut Beck aber auch ohne Eigenkapital möglich – wenn die Rahmenparameter und die Programmwahl stimmen.
Die Differenz wird gedeckt durch:
- Klassische Bankdarlehen der Hausbank
- Fördermitteldarlehen über KfW oder Landesförderbanken
3. Wie wird das Darlehen besichert?
Das ist die entscheidende Frage und die, an der die meisten scheitern. Banken akzeptieren keine Autos oder Motorräder. Was zählt: Immobilien (mit Grundbucheintrag), Versicherungsrückkaufswerte, Aktiendepots. Selbst wenn Sicherheiten vorhanden sind, gilt: Eine persönliche Haftung des Gründers kommt hinzu. Daran führt kein Weg vorbei.
Wenn keine werthaltigen Sicherheiten vorhanden sind, was häufig der Normalfall ist, kommen Bürgschaftsbanken ins Spiel. Die Konditionen variieren je nach Bundesland.
Die besten Förderprogramme für Franchise-Gründer
KfW Startgeld – das Top-Programm
Wer ein Vorhaben unter 200.000 € plant, sollte immer zuerst das KfW Startgeld prüfen. Es ist das günstigste verfügbare Programm – derzeit rund 4,3 Prozent Zinsen, einheitlich für alle Antragsteller, ohne Bonitätsstaffelung. Und: Es setzt kein Eigenkapital voraus.
Die Besonderheit: Das KfW Startgeld enthält eine Haftungsfreistellung gegenüber der Hausbank. Das heißt, ein Teil des Risikos wird von der KfW getragen, nicht von der Geschäftsbank. Das macht es für Hausbanken attraktiver, in den Prozess einzusteigen.
Herausforderung für Quereinsteiger: Die KfW stellt hohe Anforderungen an die fachliche Qualifikation des Antragstellers, entweder eine Ausbildung im relevanten Bereich oder langjährige Berufserfahrung. „Als Quereinsteiger ist es nicht unmöglich, aber schwieriger“, sagt Beck. „Wenn Zeit vorhanden ist, sollte man immer versuchen, über dieses Programm zu gehen.“
KfW-Programm Gründung und Nachfolge
Für größere Vorhaben oder wenn das Startgeld nicht greift: Das Programm Gründung und Nachfolge deckt bis zu 35 Prozent des Gesamtkapitalbedarfs ab. Auch hier ist eine Haftungsfreistellung enthalten. Die Restfinanzierung muss über andere Bausteine gesichert werden, zum Beispiel das KfW-Programm 365 unter Einbezug der Bürgschaftsbank.
Sonderfall Volksbanken: R+V Darlehensausfallversicherung
Wer seine Finanzierung über eine Volksbank abwickelt, kann von einer besonderen Option profitieren: der R+V Darlehensausfallversicherung. Sie sichert bis zu 50 Prozent des Vorhabens ab, gedeckelt bei 200.000 € – also bei Vorhaben bis 400.000 €. Dieses Instrument steht ausschließlich Volksbanken zur Verfügung, da sie im genossenschaftlichen Verbund mit der R+V arbeiten.
Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit
Mit dem Gründungszuschuss können Gründer bis zu 20.000 Euro als Starthilfe vom Staat erhalten. Die Förderung ist steuerfrei und muss nicht zurückgezahlt werden.
In der ersten Phase erhalten Gründer sechs Monate einen Zuschuss in Höhe ihres Arbeitslosengeldes. Zur sozialen Absicherung wird zusätzlich eine Pauschale von 300 Euro gezahlt. In der zweiten Förderphase werden dann noch für neun Monate die 300-Euro-Pauschale für die Sozialversicherung gezahlt. Die maximale Förderung beträgt damit insgesamt 15 Monate.
Wichtig: Den Gründungszuschuss können nur Personen beantragen, die Arbeitslosengeld I beziehen oder einen Anspruch darauf haben. Außerdem muss die Selbstständigkeit hauptberuflich ausgeübt werden.
Wer kein ALG I, sondern Bürgergeld bezieht, kann beim Jobcenter das “Einstiegsgeld” beantragen.
Weitere Tipps vom Experten
Gründerteams: Finanzierung kann aufgeteilt werden
Wer gemeinsam mit einer zweiten Person gründet, hat einen Vorteil: Die Finanzierung kann auf beide Antragsteller aufgeteilt werden. Zwei Personen, zwei Finanzierungsanträge – das erhöht die Gesamtsumme, die über KfW-Programme abgedeckt werden kann, erheblich.
Warum ein adressatengerechter Businessplan entscheidend ist
Ein Businessplan ist kein Dokument für die Schublade – und er ist auch kein Universaldokument. Wer für eine Bank schreibt, schreibt anders als für die Bundesagentur für Arbeit.
„Wir schreiben direkt an den Bankentscheider“, erklärt Thorsten Beck. „Wir liefern die Informationen, die er benötigt, um seine Entscheidung plausibilisieren zu können.“ Dasselbe gilt für den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit: andere Systematik, andere Schwerpunkte, anderes Dokument.
Wer noch im Angestelltenverhältnis ist, sollte prüfen, ob ein Gründungszuschuss beantragt werden kann. Vorausgesetzt, es sind noch mindestens 150 Tage Restlaufzeit beim ALG I vorhanden. Wichtig: Den Zuschuss nicht in den Businessplan einplanen. Das Vorhaben muss auch ohne ihn tragfähig sein.
Beraten lassen ist gut, begleiten lassen ist besser
Thorsten Beck ist sich sicher: Sich beraten lassen ist gut. Sich begleiten lassen ist besser. Der Unterschied: Ein Berater erklärt, wie Finanzierung funktioniert. Ein Begleiter kennt die Banker in der Region persönlich, weiß, worauf sie achten, führt Vorgespräche und sitzt im richtigen Moment mit am Tisch.
„Banker wollen nicht hundertmal Antragsteller treffen und dieselben Unterlagen anfordern“, so Beck. „Wer weiß, wie ein bestimmter Entscheider tickt, erhöht die Finanzierungswahrscheinlichkeit deutlich.“
Die Kosten für professionelle Begleitung liegen je nach Anbieter zwischen 3.500 und 6.000 Euro netto. Einige Berater arbeiten auf Erfolgsbasis, andere verlangen ein festes Honorar oder das Honoras setzt sich aus einem festen und einem erfolgsabhängigen Anteil zusammen. Ohne Finanzierungserfolg oft deutlich weniger. In vielen Bundesländern können Beratungskosten über Förderprogramme bezuschusst werden – oder alternativ über die BAFA-Förderung für Unternehmer.
Fazit: Deine Franchise-Finanzierung ist einfacher, als du denkst.
Eine Franchise-Gründung zu finanzieren, ist kein Hexenwerk. Die Instrumente sind da, die Fördertöpfe gefüllt und die Bürgschaftsbanken bereit. Du musst nur wissen, wie du diese Bausteine zusammensetzt.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- KfW-Förderkredite bieten seit Dezember 2025 bis zu 200.000 Euro mit 80 % Haftungsfreistellung.
- Hausbankdarlehen sind eine echte Alternative — flexibler und oft schneller als KfW-Kredite.
- Bürgschaftsbanken übernehmen bis zu 80 % deines Kreditrisikos — in jedem Bundesland verfügbar.
- Franchise schlägt oftmals Einzelgründung — nachweislich niedrigere Insolvenzraten und ein erprobtes Geschäftsmodell.
- Jetzt ist der richtige Zeitpunkt
Hast du Fragen zur Finanzierung deines enerix-Standorts? Dann schreib uns gern an [email protected] – wir helfen dir, den nächsten Schritt zu planen.
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